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Die Olympiastadt Salt Lake City genießt nicht den Ruf, eine schillernde Metropole zu sein. Die Qualitäten der Hauptstadt Utahs liegen in anderen Bereichen.
EGON THEINER
Es liegt wohl in der Mentalität des Durchschnitts-Amerikaners, mit Superlativen um sich zu werfen, wenn er von Ereignissen und Plätzen in seinem Land spricht. Das Finale der lokalen Baseball-Meisterschaft wird als "World Series" verkauft, als Weltmeisterschaft also, American-Football-Entscheidungen beim "Super Bowl" sind die besten, schönsten, größten ever, und der beste Schnee der Welt liegt in Utah. Ein trockener Pulverschnee, auf dem es sich besonders gut Skifahren lässt. Auch Salt Lake City hat ein Image in der Steigerungsform: langweiligste Stadt der USA. Salt Lake City hat nicht das Flair San Franciscos, nicht das Charisma New Yorks, nicht die Sonne Miamis, nicht George Bush von Washington, nicht den Jazz von New Orleans. Doch wurde dort ein bekanntes Basketballteam gegründet, das 1979 in die Olympiastadt übersiedelte und zu den Utah Jazz wurde.
Mormonen wollen sich in Zurückhaltung üben
Salt Lake City und das dazugehörende Utah: aussagelos und uninteressant? 180.000 Menschen leben in der mormonischen "Host City" der Olympischen Winterspiele 2002, 1,5 Millionen in deren näherer Umgebung. Sauberkeit ist ein Markenzeichen des schmucken Städtchens. Freundlich und hilfsbereit sind die Einwohner im "Jerusalem der amerikanischen Wüsten", für die Spiele haben sie sich vorgenommen, gute Gastgeber zu sein. Die Losung der Mormonen, Präger des geistlichen und weltlichen Lebens in Utah: Olympia nicht mit religiösen Avancen zu überfallen. Während das Stadtbild in Salt Lake City klar von deren Einrichtungen geprägt ist - vom alles überstrahlenden Tempel über das Verwaltungsgebäude der Mormonen bis hin zum Einkaufskomplex ZCMI -, so befinden sich die Olympischen Außenstellen teilweise in der Einöde. Liegt Salt Lake City (in etwa auf demselben Breitengrad wie Madrid und Neapel) auf 1300 m Seehöhe, so werden die Bewerbe der Skispringer, Bob-, Rodel- und Skeletonfahrer in Utah Park auf über 2000 m ausgetragen, jene der Langläufer und Biathleten auf 1700 m in Soldier Hollow, abseits fast jeglicher Zivilisation. Weitere Sportstätten liegen im Ski-Ressort Snowbasin (Speed-Disziplinen im Ski Alpin), Park City (Ski Alpin/Slalom und Freestyle), Deer Valley (Ski Alpin/Riesentorlauf, Snowboard), Provo City (Eishockey) und Ogden (Curling). In Salt Lake City selbst werden die Eisschnelllauf-Medaillen vergeben (im Olympic Oval) und Eishockey gespielt (E-Center). Umgewidmet wird das Delta Center: die Heimstätte der Utah Jazz wird zum Salt Lake Ice Center für Eiskunstläufer und Short-Track-Spezialisten. Die Basketballer? Die sind on the road, in Auswärtsspielen engagiert. Auf dem Papier sind es Spiele der relativ kurzen Wege: 40 Minuten von Salt Lake zum Utah Park, eine Stunde nach Provo im Süden oder Ogden im Norden. Auf dreispurigen Autobahnen soll eine Fahrbahn für Sportler, Funktionäre und Offizielle freigehalten werden. Doch Zeit werden vor allem die Sicherheitskontrollen kosten, die sich nach den Attentaten vom 11. September so zeit- und nervenaufreibend wie nie zuvor bei Olympischen Spielen ankündigen.
Militärpräsenz, Atommüll und einmalige Naturparks
Am Großen Salzsee, an dem Salt Lake City liegt, befindet sich einer der größten Militärflughäfen der USA; ins Gespräch ist der Bundesstaat Utah abseits der Olympischen Schlagzeilen auch durch ein exklusives Anliegen der Goshute-Indianer gekommen. Diese möchten ihr Reservat für Dollar-Millionen verkaufen, um dort die Ablage von Atommüll zu ermöglichen. Fakten, die an den Sportlern und Zuschauern von Olympischen Bewerben wohl spurlos vorbeigehen werden. Verborgen werden ihnen auch die landschaftlichen Perlen Utahs bleiben. Im Süden und Osten, an den Grenzen zu Arizona und Colorado, liegen Naturparks von einmaliger Schönheit. Im Arches National Park steht ein Felsbogen, Wahrzeichen des Bundesstaates. In den Canyonlands finden sich archäologisch relevante Spuren. Und streben auch Touristenmassen an den nahe gelegenen Grand Canyon (Arizona), so sind doch Bryce Canyon und Zion National Park die Geheimtipps in Utah. Olympische Spiele erlauben nur selten den Blick über den sportlichen Tellerrand. Unbestritten bleibt deren Werbeeffekt für die Region. So kann sich Salt Lake City freuen, in den nächsten Tagen und Wochen weltweit Werbung in eigener Sache betreiben und ein vielleicht unzutreffendes Bild ein wenig korrigieren zu können.
Samstag: Sicherheit groß geschrieben.
© SN.
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